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Nachbarschaftskontakte mit Pizzanummeranschluss...

Die Erwärmung machte es möglich,  bei ruhigem Frühsommerwetter ein Herbstlager in den schier endlosen Weiten des berühmten und allseits beliebten Reservates durchzuführen. Die Menge der Graureiher war in den ersten Tagen vor Ort  und die Silberreiher folgten in der zweiten Woche. Neben einigen Kindern der „offenen Tür“, waren noch die Mayas aus dem BdP dabei  und die Mitglieder der Aufbaugruppe „Tatanka Oyate“ aus Reinickendorf.  Für alle die im Indianischen in der Schule geschlafen haben sollten, sei hier die schlichte Übersetzung ins Schwachhochdeutsche verraten. Es handelt sich dabei um das Büffelvolk. Die Wölflinge wurden artgerecht der Jahreszeit entsprechend in den Bauwohnwagen einquartiert hingegen der Rest  in taunassen Kohtenbahnen die ersten Sonnenstrahlen herbeisehnte. Da wir für die Guten Taten in der Umgebung bekannt  sind, schlugen wir wieder fürchterlich zu. Da das Auguste-Victoria-Krankenhaus ( eine Stiftung von „Kirchguste“, der englischen  Mutti von Wilhelm dem Letzten ) genau gegenüber liegt ( fünf anstrengende Minuten zu Fuß ) und dort  sich eine Station für ältere Menschen  befindet,  waren wir der Meinung sie bräuchten etwas Abwechselung. Mit rund zwanzig Pfadis im Nichtrentenalter  brachten wir ein Ständchen und gaben ein Livekonzert als Nachtisch zum Sonntagsnachmittag.

Zuerst verschreckte unser Erscheinen die älteren Damenschaften, denn irgendwie hatte die leidende Oberschwester an der Vorankündigung gespart. Zwei Damen waren schon an die 94 Lenze auf diesem Erdenrund und viele auf dieser Pflegestation waren von Alter und Krankheit gezeichnet. Nachdem die ersten Bedenken und Proteste vom Pflegepersonal niedergekämpft wurden „ was wollen die hier... lasst uns in Ruhe „ sangen wir tapfer gegen die Protestler an.  Die Abstimmung der Lieder im Vorfeld war notwendig, denn wir wollten nicht mit einigen Texten missverstanden werden. So kamen wir auf sechs unverfängliche Liedlein und wir merkten das mit jeder neuer „Sangesnummer“ die Stimmung stieg. So schunkelten sie mit und hier und da traf uns auch ein dankbares Lächeln. Eine Dame um die Achtzig verriet uns, dass auch sie in ihrer Jugend des Gitarrenspiels mächtig war und wir hatten ein sehr gutes Gefühl, als wir das AVK verließen. So ist das, wenn man ein klein wenig  gibt, bekommt man auch etwas zurück.

Da wir stets das Praktische mit dem Nützlichen verbinden ist der Besuch der Feuerwache für angehende Pyrotechniker und  - mahnen immer sehr nützlich. Kann man doch so die schädlichen Folgen ihres leichtsinnigen Verhalten am besten verdeutlichen. Eine ganze Berufssparte lebt davon, dass andere unsachgemäß mit dem Feuer umgeben. Der gemeine Ottonormalfeuerwehrmann ernährt seine Kinder dadurch, dass andere Leute Kinder zündeln. Nun so schlicht sind die Zusammenhänge nicht mehr. Nur noch 40 % der Einsätze dienen der Bekämpfung des Geschenkes der Götter, dem Feuer. Der Rest ist Personenrettung und den alltäglichen Unzulänglichkeiten der Steuerzahler zuzuordnen. Das Angebot der Beschäftigung reicht vom vollgelaufenen Keller bis zur Rettung dümmlichen Miezen aus Baumenden. War früher die Tierrettungsnummer umsonst, so geht es heute schnell ins Taschengeld. 

Der zweite Mann der Steglitzer Feuerwache, Oberbrandmeister Fiebig zeigte uns den ganzen Stolz der Einrichtung, den Gerätepark. Alles wurde in zwei Stunden ausführlich erklärt und auch vorgeführt, nur Herr Oma schwächelte zwischendurch. Offensichtlich übernächtigt und nach sieben Tage Lagerfrische nicht mehr recht bei der Sache, suchte er immer wieder Stellen auf, um sein müdes Hinterteil auf allen möglichen Gefäßen und Kisten zu parken. Am Schluss klärten wir auch noch den weit verbreiteten Irrtum mit der Pizzanummer auf. Bei der heißen  Rufnummer 112,  kommt  leider nicht der Pizzaservice mit ofenfrischen Produkten. Ich habe es immer geahnt...

Um weiteren Missverständnissen vorzubeugen, klärten wir sie noch einmal über unsere Zulassung,  zum Betreiben von „Brauchtumsfeuern“ im Reservat  auf und machten ihm den Vorschlag, die nächste Betriebsfeier vor Ort daselbst auf dem ASP zu machen. Da die Feuerwache nur knapp zehn anstrengende Minuten zu Fuß entfernt liegt, diente auch dieser „vorbeugende“ Besuch, der „Nachbarschaftspflege“.

 

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Ein paar Hunderttausend umsonst....

Natürlich wäre es möglich gewesen für das Geld 150 Jurten 450 Kohten zu kaufen. Bei der Bestellung bekommen. Auch die Frage nach dem möglichen Mengenrabatt ( vielleicht 50 % )war nicht ganz ohne Reiz. . Für den  Gegenwert im schnöden Geld hätten  wir vielleicht für 15 Werbeminuten zu ungünstigen Zeiten  bekommen . Doch diese Menge Europenunsen haben wir gar nicht zur Verfügung.
Diese Rechung stammt von Schweizer  Kuhsaftabfüllerinnen, die einmal im Leben von Lila Kühen träumen ( auf schwachhochdeutsch: Milchmädchenrechnungen ) . Nun was über uns kam,  und bald über den Rest der fernsehmüden Nation kommt, ist  eine Mischung zwischen Wahnsinn, Alptraum und Realität. Also wie im richtigen Leben halt. Da man uns über den Klick: Pfadfinder Berlin leicht findet, unser Straßendorf auch noch Hauptstadt ist, die Metropole der „Sparschweinszüchter“, war es für findige Diplom Medien Pädagogen ( was es alles so gibt ), ein leichtes uns zu finden. Ein Leugnen am Telefon war zwecklos und natürlich war meine gesunde Restneugier aktiviert worden. Es gibt da in der Ersten Reihe wo brave Zahler der Rundfunkgebühren landen, eine Sendung zum „mitgucken“ für Kinder. „Reläxxx“ heißt das Teil und wird bundesweit ausgestrahlt und auch noch auf vielen regionalen Nebensendern wiederholt. Selbstverfreilich  zur besten Kindersendezeit. Das Thema dieser am 16. September ausgestrahlten Aufnahmen handelt um „Survivial“ in der Natur als Otto Normalkind. Nun ist es kein Geheimnis, dass wir mit den Pfadis im Wald verschwinden und auch heil wieder rauskommen. Das ist auch den Medienerziehern nicht entgangen und damit sind wir die Experten schlechthin für solche „Experimente“. Rüdiger Nehberg lässt grüßen, aber einen selbstgekochten Regen
wurmeintopf im eignen Saft sollte wir nicht vorkochen. Hätten wir auch leichte Probleme bekommen ( Wie lange kocht man solch Teil? Wie würzt man diese? Serviert man sie als Vorspeise oder Nachtisch? Im Kochgeschirr oder auf dem Plastikteller?.. )

Nun dieses kulinarische Extra  ging an uns und dem geplagten zukünftigen  Publikum vorbei. Meine Fähigkeit gehen zwar im küchentechnischen Bereich  ein wenig über die Bestellung einer Currywurst hinaus, aber dieser Kelch ging ungetrunken an uns vorbei.

Wie sich das so gehört bekommen wir die meisten Fragen vorher zugefaxt, so dass unsere Ahnungslosigkeit gemindert wurde.

Da waren Fragen über unser „Halsband“, ob uns das nicht peinlich sei so „uniformiert“ herum zu laufen ? Was wir denn ohne Schlafsack, Isomatte und Handy in der Natur anstellen würden, um nicht  gleich zu sterben?  Dann wollte man die Morse –Taschenlampennummer und jetzt kamen auch unsere berühmten Halswickel zum Zuge.

Das Abschleppen eines Beinverletzten Kindes mittels Stöcken und wahlweise  Schweißfänger von Wölfen und Pfadis. Na es war eben wieder eine Auffrischung von dem Stück, wir sind ganz toll und der Rest der Menschheit darf dies zur Kenntnis nehmen.

Klang alles ganz nett und wir sagten zu. Natürlich verfuhren wir uns als Südwest Berliner in Brandenburg mit unseren vier Kraftfahrzeugen in der benachbarten Landeshauptstadt. Und als wir nach zirka 9 km Luftlinie in Potsdam – Babelsberg leicht verspätet einparkten war ich schon fast fertig mit dem Rest dieser Welt.

Im Studio fanden wir noch ein fünfte Klasse aus dem Wedding wieder, die man als „Hintergrund “zum klatschen organisiert hatte. Zwei tapfere sächsische Grundschullehrerinnen  gaben sich mit 26 Kindern   Mühe,  einen Netten zu machen. Da sie mit der S -und U-Bahn fast 90 Minuten unterwegs waren, unterstreicht nur die hervorragende Lage unseres kleinen Heimatbezirkes St. Eglitz am Stadtrand.

Wir waren um 15 Seelen, Wölflinge aus den Stämmen Grau -und Silberreiher und einem BdP Gast von den Askaniern. Vom Letzteren sollten zwar noch einige mehr kommen, aber sie waren etwas zu spät dran oder nicht ganz so zuverlässig wie wir dachten. Da wir tolerant und weltoffen sind,  wurde bei der Vorstellung unserer askanischer Freund natürlich auch erwähnt.

Die älteren Gruppenführer saßen ein Stockwerk höher und genossen im klimatisierten Großraum bei Häppchen und Getränken an einem überdimensionierten  Fernseher die Aufnahmeversuche des bezahlten Personals. Im Schnitt wurde jede Szene drei vier mal gedreht  und der Star des Abends, der wohl die Sendung immer schmeißt ............ tauchte mit Tropenhelm und Anzug auf. Unsere mitgebrachte Fahne, kam öfter in die Kamera, nette wohlerzogene Pfadfinder in schwarzen Beinkleidern fühlten die ersten Reihen und Wanda übernahm die schwierige Übung, Nichtfindern den Unterschied zwischen einer Kluft und einer Uniform zu erklären. Das machte sie sehr gut ( wir sind doch nicht beim Militär.... ) und war mehr als überzeugend.

Ich wäre sofort bei uns  eingetreten, wenn ich es nicht schon  sei.

Loui , der immer gerne Luidschiee genannt werden wollte gab seinen heilen Unterschenkel zum verbinden her,  und mit fünf Halstüchern und drei mitgebrachten Stöckern,  bestand seine Aufgabe darin,  die schwerverletzten Nummer abzuziehen. Auch er offensichtlich ein Naturtalent aus unserem deutschen Jammertal. Als Julian dann noch im angedunkelten Studio um die Rettung seiner Seele morste war ein Großteil des Auftrittes geschafft. Inzwischen waren drei Stunden vergangen, dank der Häppchen hatte ich gar keinen Hunger mehr und zum Schluss gingen die Kraftfahrer und zwei unbesorgte Transportmütter in das Studio und wir machten noch Aufnahmen mit den Delinquenten vor dem Regenbogen-Glühlampengemisch, dem Logo der Sendung, die schon über neune Jahre Kinder um den Schlaf bringt.

Unseren mitgebrachten alten Hordentopf dürften wir netterweise wieder mitnehmen und es stand die Frage im Studioraum, ob wir das Ding noch benutzen könnten, nachdem in ihm  drei Stunden lang Trockeneis „zu Tode gebrutzelt“ wurde.

Als wir diesmal schneller und genauer Richtung  Reservat fuhren, hatten wir eine halbe Ahnung mehr davon,  wie sich unsere Bundeskanzlerin Angela M. fühlt wenn alle  ihre Auftritte fünf mal abgedreht werden.

Mitleid  mit ihr und Erleichterung bei uns herrschte am Ende vor.

Wir hatten es geschafft. Wir haben ein Quäntchen Öffentlichkeitsarbeit gemacht und die Innung nicht blamiert. Wer Bedenken hat, am 16. September die Reläxxxsendung anzuschauen, der sollte sich an seinen Arzt oder Apotheker wenden oder ein Pfadfinder seines Vertrauens aufsuchen. Ich könnte einige empfehlen..

 

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Non(n)sens für Hinterbänkler....

In den folgenden Zeilen geht es nicht um ahnungslose Bundestagsabgeordnete, die den Vortag der Redner am Pult nur bedingt folgen können, sondern wir waren durch halbglückliche Umstände zu 20 Freikarten für das Schlossparktheater gekommen. Da ich in meinem ganzen bisherigen Leben  noch nie in einem Musical war,   das Schlossparktheater  nur von außen kannte, wurde ich schuldiges Opfer einer Doppelpremiere.
Schon die Scherflein einsammelnden Garderobieren waren in genonnter Tracht tätig, und mit Erstaunen bemerkte ich beim Sitzen in der Zwölften Reihe mit einem Anflug an Fastehrfurcht die Größe der Einrichtung. Warum hatte ich mir das nicht schon viel früher angetan ? Da haben wir ein stadtbekanntes, gutes Theater vor der Haustür, fast in Rufweite des Pfadfinderreservates,  und ich ignorierte es jahrzehntelang !


Mit viel Klamauk und  rauchendem Theaterdonner   tauchten die Mimen  aus den Tiefen  des Zuschauerraumes auf und schwangen sich auf die Bühne: eine Mutter Oberin, eine hübsche Novizin und drei Ottonormalnonnen. Sie versuchten,  dem recht zahlerreichen, zahlenden Publikum weiszumachen, dass sie aus Marienfelde kommen würden( einem halbverträumten Stadtteil unseres geliebten Nachbarbezirkes Tempelhof und Umgebung ) und während einer misslungenen Mahlzeit  seien durch eine verdorbene  Fischsuppe franz. Art Bouja.....usw. 51 Nonnen ihres Heimatklosters gegen ihren Willen  vorzeitig  zum Rapport bei  ihren Schöpfer angetreten. .Nun, das Schicksal wollte es so, dass sie justament der Sense des Knochenmannes nur dadurch entkommen sind, dass sie zu dem Zeitpunkt der Suppeneinlöffelung im afrikanischen Busch hockten und sich mit der Pflege von leprakranken Eingeborenen beschäftigten. Nun zu Hause in der Mutter aller Nonnenklöster angekommen,  daselbst zu Marienfelde, mussten sie nun den Dreck wegmachen, besser gesagt,  den toten Mitschwestern ein würdiges Begräbnis angedeihen lassen. Irgendwie schafften sie es auch,  47 unter die Erde zu bringen und bei den letzten vier ging ihnen das Geld aus. Praktisch, wie sie nun einmal sind, voll neben dem eigentlichen prallen Leben stehend, verstauten sie die letzten vier in einer Gefriertruhe. Trotz drohenden Gefrierbrandes wollten sie durch  ihre musikalische Schau Geld einsammeln bzw. verdienen,  um die restlichen kühlen Toten ihres Ordens dahin zu bringen,  woher sie gekommen waren . Am Klavier saß ein Ordensbruder in dem Ornat eines kath. Priesters, der nach besten Kräften versuchte, einen  fehlenden Orchestergraben zu ersetzen.



Das gelang ihm auch leidlich,  und jede überlebende Nonne  hatte ihren eigenen Auftritt,  und zwischendurch strapazierten sie die Zuschauer auch zusammen. Naja,  es wurde viel gesungen, hatten sie auch zum Anfang angedroht, zwischendurch gab es die Bemühungen witziger Passagen  Hier und da lachte auch einer aus den  Sitzen der restlichen Bänke. Natürlich hatte Schwester Amnesia  ihr Gedächtnis verloren,   und eine andere erwähnte Euthansia  war krank geworden. Das war jene Stelle,  die ich nun gar nicht mehr witzig fand.  Als dann noch eine Ordensdame aus ihrer Jugend in Neuköln erzählte und im besten „Alter, was willste.... „Deutsch Mitbürger“ ausländischer Herkunft imitierte und  tapfer sich verschleierte,  und damit auch noch eine Lachsalve erntete;  war ich froh das Neuköln weit weg war. Oh,  glückliches Steglitz! Zwischendurch gab es auch ein Quiz für die Zuschauer, und hier und da wurden vorlaute richtige Antworten mit einem  Christopherus-Bildchen fürchterlich belohnt. Neben mir saß Carles, unser Spanier aus dem Programm des europäischen Freiwilligensjahres, der an zwei Tagen der Woche auf dem ASP katalanisch  kocht. Er verstand nicht alles, aber er war auch von dem ersten Musical in seinem Leben angetan. Der Höhepunkt des Abends war aber nicht die Aktion auf der Bühne, sondern die Frage von Nadine, eine Reihe vor mir. Sie wollte von mir wissen, ob am Sonnabend jemand Zahnschmerzen behandelt. Ich bejahte, nach bestem Wissen, jene Frage und erklärte ihr auch, wie sie zum Heidelberger Platz käme,  um dort in der Aßmannnshauser Straße den zahnärztlichen Notdienst  der FU aufzusuchen. Da wir aber Donnerstag hatten, und ich sie naiv fragte, warum sie denn nicht am morgigen Tag ginge, da hätten doch noch die Praxen auf, gab sie mir einen überzeugenden Beweis weiblicher Logik: Morgen hätte sie eben  keine Zeit....!
Ganz zum Schluss beeindruckte mich noch die nette Geste des Intendanten, den  notaphilistischen  Nachwuchs zu fördern. Regnete es doch vom Bühnenhimmel Pseudogeldscheine mit einem aufdruckten Wert von 50,-- Euro und dem Konterfei von Mutter Maria Regine Oberin, und es fehlte natürlich die Strafandrohung, wenn man sie in den Blutkreislauf der Wirtschaft einfließen lassen würde. Diese Rosskur würde sicherlich zu einer Blutvergiftung führen und dem totokranken Konsumenten den Todesstoß verpassen. Gut gemeint ist noch nicht gut gemacht, und es war, zugegebenermaßen, ein sehr hilfloser, scheuer Versuch, Geld unter die Leute zu bringen.
Mit einem Placebo aus der Mogelpackung, wohl bekomm`s.....

 

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Ich wars.....

Ich gebe es lieber gleich zum Anfang zu: ich habe gewählt. Wahrscheinlich bin ich beim Betreten des Wahllokales gesehen worden, und ehe mich andere verpetzen, gebe ich es lieber gleich zu. Natürlich bin ich nicht alleine Schuld, dass es so gekommen ist wie es ist, andere waren auch beteiligt, aber ich fühle mich schuldig, an diesem Wahn von Millionen teilgenommen zu haben, dass sie was ändern könnten, was nicht zu ändern ist. Da ich über 18 Jahre bin, war meine Handlung legal und die Frage, ob meine einzelne Stimme zum Schluss die entscheidende war, stelle ich mir lieber erst gar nicht, das würde mein Gewissen bis zum Lebensende vielleicht belasten. Aber ich fühle mich schuldig, dass ich mit den gesammelten Resten meines jugendlichen Leichtsinns dass U 18 Projekt unterstützt und dem ASP zum Wahllokal gemacht zu haben. Weniger gut unterrichtete Zeitgenossen vermuten bis zu diesem Zeitpunkt die Uraufführung eines Werbeschinkens der Heimatarmee, Abteilung Küste, um Ureinwohner des Flachlandes für die Schönheiten der Unterwasserlandschaften zu begeistern, dass also die Marine einen Werbestreifen von ihrem neuesten Unterseeboot kredenzt. Wäre vielleicht nicht besonders pädagogisch, aber immerhin wären wir so Vermittler von krisensicheren Arbeitsplätzen.

 

Nein, ich habe mich schuldig gemacht, weil wir an dem bundesweiten Wahlprojekt teilgenommen haben, das es Kindern und Jugendlichen ermöglichte, an der allgemeinen Verwirrung der Erwachsenen vor der Wahl teilzunehmen und schon mal den Ernstfall zu üben. Der ASP war einer von 344 Berliner Wahllokalen. An diesem Freitag, dem 9. September 2005, raubten wir unbescholtenen 63 Kinderseelen ihre bis dahin politische Unschuld. 

Das Schicksal wollte es so, dass wir an diesem Freitag 18 Gäste aus dem Bundesland hatten, was in der Nähe von Italien liegt, dem Bayerischen. Von FFA geleitet, bemühten sich zwei angehende Sozialpädagogen, Potsdamer Abstammung, unter Christians Leitung im Rahmen ihres "Cityboundsprojektes", die Schönheiten einer Großstadt den Kindern aus dem italiennahen Provinzen näher zu bringen. Zwischen 14 und 17jährige Mädchen und Jungen weilten für 7 Tage vor Ort und wurden so, kraft ihrer Anwesenheit, in die allgemeinen Wahlturbulenzen dieses Tages mit einbezogen. Neben den normalen Besuchern und Wahlopfern des ASP an diesem Tag, wählten wir schon ab Montag per Briefwahl vor. Obwohl bei U- 18 nicht vorgesehen, im richtigen Leben aber möglich, entschied die gebildete Wahlkommission, die versiegelten Wahlbotschaften bis zum Freitag, dem Tag der Auszählung, unter Verschluss zu halten. So hatten wir nicht einen Tag den Wahlstress, sondern fünf mal 24 Stunden . So mussten wir den möglichen Jungwählern die Parteien näher- bringen und, versehen mit einem beigefügten Spickzettel, die Ziele, der zu erklären. Diese Infos waren weniger Tipps zur Rentenvorsorge ( wobei diese sicherlich nicht ganz verkehrt gewesen wären, je früher man die drohende Altersarmut bekämpft... ), sondern es waren Dinge wie Rechte und Pflichten, die Kinder und Jugendlichen im bundesrepublikanischen Alltag tagtäglich begegnen. Dass bei einem "mündigen Wahlalter" von 6 bis 17 Jahren das ganze Berliner Parteienspektrum von links bis ganz recht wahrgenommen wurde, versteht sich von selbst. Ob taktierende "Fruststimmen" den Marxisten auf der einen und den Republikanern auf der anderen Seite kleinere Stimmenanteile brachten, konnte aber die starke Mitte der bürgerlichen Parteien von Schwarz, Rot, Gelb und Grün nicht erschüttern. Es war wie im richtigen Leben.

Ergebnis ?

Nun bastelten wir keine Wahlurne, sondern es musste ein alter Hordentopf als Ersatz herhalten. Dort wurden die zugeklebten Wahlbotschaften an den Rest der Welt aufgehoben und zusammen verschlossen. Von Montag bis Donnerstag sammelten wir in ihm unsere Briefwähler, der große Rest folgte am Freitag. Der Topf hatte auch symbolischen Charakter, von "wegen die Suppe auslöffeln, die man sich eingebrockt hatte". Die bundesweiten Ergebnisse wurden per Fax und Email nicht in Deggendorf Süd, oder Limburg Nord gesammelt, sondern sie wurden natürlich in der Hauptstadt gesammelt und ausgewertet. Eine entsprechende Wahlpartie gab es dann auch noch im Zentrum . Passend dazu musste die "Tränenhalle" dazu herhalten ( einem überdachten Bahnhofsteil des Bahnhofs Friedrichstraße, in dem sich die Besucher West von den Einwohnern Ost, mit oder ohne Taschentuch am Ende eines Visumtages verabschiedeten ). Vielleicht trennte sich der eine oder andere von etwas Augenwasser , sei es aus Freude oder dem Gegentum , jedenfalls war man eins, mit der Tradition des Hauses. 

Unsere Wahlkabine war der Küchenvorraum, gekreuzt wurde mit "geschenkten Stiften" von Ikea. Eine weitere unbeholfene Art den Binnenkonsum auf Vordermann zu bringen, und auch ein weiteres Beispiel dafür, wie stark die Wirtschaft schon in die Politik hineinreicht. 
Unseren bayrischen Freunde mussten wir unseren Steglitz- Zehlendorfscher Wahlzettel näher bringen und erklären, und sie über das Fehlen der CSU auf dem Zettel hinwegtrösten. Zu guter Letzt fand noch ein Akt der Völkerverständigung statt. Unter der Parole: Miar sans mia ( in Schwachhochdeutsch: die Ohnmacht ist mit uns) ob es mehr die Parole der Wähler oder der Gewählten ist, überlasse ich dem geneigten Leser, fanden preußische und bayrischen Wahlseelen zueinander. Und da wir alles gründlich machen, gab es noch den praktischen Politschocker der Woche, sozusagen das Hochlicht des Tages: den Besuch zu später Stunde, in der Höhle des Löwen, im Reichstag. Das war Demokratie pur und in seiner möglichen, politisch-pädagogischen Folgen nicht mehr Steigerungsfähiger.

Das die mühsam gesammelten Wahlergebnisse den rechtzeitigen Wahlzeitpunkt vor 22. 00 Uhr dann doch noch erreichten, war in aller Bescheidenheit mein Verdienst. Da ich früher ging hatte ich die Auswertung und die faxtechnische Übermittlung dem zweiten Wahlleiter Volker L. übergeben. Ich erklärte ihnen noch die Funktion des Faxgerätes und machte mich davon. Eine Ahnung trieb mich dann noch einmal nach, nach Schließung des Wahllokales, um 21,22 Uhr auf den Platz und siehe da, der Ergebnisbogen hing noch immer im Ausgang, und war noch nicht abgeschickt! Ich beseitigte die Störung, gab die alles entscheidende Nummer ein und machte mich auf meine mühsam anbezahlten Strümpfe um den unverdienten Rest des Abends in angemieteten Räumen zu verbringen. 

Vielleicht hat diese demokratische Gewaltnummer dazu beigetragen, dass sich die Wartezeit auf die Installierung eines Kinder -und Jugendparlamentes in unserer heißgeliebten

Heimatgemeinde um einige Jahrzehnte verkürzt. . Andere Nachbargemeinden sind da schon weiter . Auch bescheidene Ergebnisse zählen in der Menge am Ende. Vielleicht haben wir ihn ja auch schon in der Tasche, den Hauptgewinn um den sich alles dreht: "Unser Dorf soll schöner werden..." 

 
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Demokratie,  jetzt hier und sofort zum Einpacken, darf es für 100 kg mehr sein...

Es war das Vierte seiner Art und Gastgeber waren die jeweiligen Abgeordneten aller Berliner Parteien, die sich irgendwie zuständig für Kinder und Jugendliche fühlten.Als die ersten Infos im Frühherbst über mich hereinbrachen, dachte ich sofort an unsere Rover: Jugendpolitische Vertretung, im geeigneten Rahmen, keine finanziellen Aufwendungen ( Kost –und Einquartierung frei )), Lobbyarbeit vor Ort und die Pfadfinder aus den Wäldern in die Welt des Parlamentes einführen. Der vierte Dezember war nun der Tag der Tage für unseren verhuschten Öffentlichkeitstermin.

Wir waren  in Kluft vor Ort und fielen dadurch natürlich auf,   was wir billigend in Kauf nahmen.  Wir wollten uns in eine Arbeitsgemeinschaft für freie Träger „Ehrenamt“ vormerken lassen. Selbige AG fand aber nicht statt,  und so zogen wir nun als Botschafter der besseren Erziehung durch die ehrwürdigen Hallen und Räumlichkeiten des ehemaligen Preußischen Landtages. Leider kam ich mit unserem “Pressereferenten“ Klaus zu spät und musste mir berichten lassen, dass  der Anschlag auf mein nicht mehr ganz so Schlanksein  mit zehn verschiedenen Pastaleckereien“ ins Leere ging. Immerhin konnte ich beim Kaffeetermin Fabians Teller leeren , sodass er kaum mit dem Nachfüllen von kleinen Törtchen etc. nachkam.Natürlich war dieses Jugendforum nur für Jugendliche von 14 bis 21 gedacht, aber Klaus ( einem ehrwürdigen Pensionisten von der Deutschen Post und vordem begeisterter  DPSG`er ) und ich konnten als Vertreter der „JugendPresseLounge“ hinein.

Wir gaben vor,  einen Artikel darüber zu schreiben ( was ja auch stimmt, man beachte die nachfolgenden Zeilen ) und auch Fotos vor Ort zu  machen.     So bekamen wir ein Namensschildchen und waren mit von der Partie. Da auch einige Abgeordnete nicht mehr ganz die Jüngsten waren , fielen wir so sehr nicht aus dem Rahmen..  Es gab eine Einführungsrede von Klaus Uwe B. einem bekannten Bundes- und Landespolitiker der Deutschen Restsozialdemokratie. In allen drei Stockwerken ging es dann in den einzelnen Sitzungsräumen halbhoch her.  Unsere Vertreter Volker, Fabian und Marcus spürten wir dann nach langer Suche im Dritten auf. Hier waren sie in einer Diskussion mit Vertretern des Landesjugendringes verstrickt. Das war gut so, denn hier waren sie halbwegs „artgerecht“ untergebracht. Zum Schluss hospitierten wir noch in einem kleinen Kreis „Zivilgesellschaft und Schule“ und konnten bei diesem Thema als „Bedenkenträger“ einen bescheidenen Diskussionsbeitrag liefern. Die vermehrte Einführung von Ganztagsschulen führt zu einer Verminderung der Freizeit von Kindern und Jugendlichen .  Sie wird mittelfristig das freiwillige Arrangement für ein Ehrenamt/Mitgliedschaft in einem freier Träger, zum Beispiel bei uns, den Pfadfindern, allein schon zeitliche  Grenzen setzen.  Und der Hinweis, dass die Träger in die Schule kommen sollen, ist vielleicht noch für Sportvereine bedingt nachzuvollziehen.Sie sind ohnehin in den Nachmittags –und Abendstunden auf die Turnhallen der Schulen angewiesen.

Aber Heimabende und Treffen der Pfadfinder im Rahmen der „Schulaufsicht“! und mit Duldung der dortens tätigen Oberzuständigen, den Lehrern, das ist dann doch etwas zu viel des Guten. Auch wird hierbei übersehen, dass die Kinder und Jugendlichen gerade in ihrer Freizeit dem Schulzwang entgehen wollen und müssen. Es gibt sie,  die berühmten Ausnahmen,  die der gern zur Schule gehenden und das schnelle Ende der Ferien herbeisehnenden, aber sie sind so wenig, dass man auf sie keinerlei Rücksichten nehmen sollte. Also,  wir brauchen sie,  die klare Trennung von Pfadfinderei und Schule.  Aus schlechten Beispielen  in der  Deutschen Geschichte (Staatsjugend)  haben wir gelernt.   Nachdem wir unsere kritischen Anmerkungen zu dem Thema kundgetan hatten, war auch der Arbeitskreis schon zu Ende.  Es folgte die Runde der gemeinsamen Abschlusssitzung .Dies taten wir dem Rest und uns nicht mehr an und gingen etwas verfrüht mit gemischten Gefühlen von dannen. Es war gut, dass  wir vor Ort ein Stück bescheidene „Öffentlichkeitsarbeit“ versuchten und dem Rest der Nichtpfadfinderwelt zeigten, dass es uns noch gibt. Vielleicht konnten wir  ein Stück weit die bestehenden Vorurteile über uns abbauen;   vielleicht aber  nutzte der  eine oder der andere Zeitgenosse unser Dasein  auch  als Bestätigung seiner Meinung. „Ich habe es immer schon gewusst...“  Und so einfach den Ort zu wechseln, raus aus dem Wald,  hinein in das Parlament,  ist mit oder ohne Kompass nicht ganz einfach. Trotzdem, Dschungel ist Dschungel,  und  die bei uns erlernte „soziale Kompetenz“ macht unsere Rover nicht gerade ohnmächtiger und hilfloser  als andere „Nichtfinder“.

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Von Sauronen und Schwarzen Witwen im Sauloch.
 

Fans von Tolkien wussten es schon immer: Sauronen sind keine neue Zitrusfruchtschöpfung aus dem Genlabor, auch keine ausgestorbene Saurieruntergattung, sondern es sind die Anhänger des Finsterlings, der den Ring der Macht hämmerte. Auch stimmte das Gerücht nicht, dass der vierte Teil vom Chef des goldenen Zierrats im Sauloch bei Rödental gedreht werden sollte, da Neuseeland als Ort des Geschehens auf Dauer zu teuer sei. Nun, es war nichts weiter als ein wildes Gerücht, zugegebenermaßen ein sehr schönes. Auch fand in der Ostervorwoche kein Hinterbliebenentreffen von älteren Kriegerwitwen statt, sondern es wurde der allseits beliebte Kursus für angehende Späher und Kornetts (mit einem Hauch von Quereinsteigerteilnehmern) durchgeführt. Die Teilnehmerzahl war mit knappen 30 Seelen eher reichlich bemessen ,und das Wetter machte dem Sauloch alle Ehre. Kalte Winde, Regen und Graupelschauer ließen den fernen Frühling erahnen, und die Mannschaft unter Jockels Leitung war ein sehr kleiner, überschaubarer Kreis.

 

Aus allen bayerischen Gemarkungen kamen die Kandidaten. Die Weite des fränkischen Landes entsandte ihre Besten Ober-Mittel- Unter und Nebenfranken (letzteres ist der Berliner „Hobbyclub“ aus der dortigen Gemeindelandschaft). Auch waren einige wenige Vertreter aus dem Oberbayerischen in ihrer unverständlichen Mundart mit dabei. Sie nahmen aber ohne ihre gefürchteten Lederhosen an dieser epochalen Ausbildung für bessere Gruppenführer in naher Zukunft teil. Ein vorangehender Woodcraftkursus stimmte die Teilnehmer auf Frau Holles Übungen ein und so verbrachte man die folgenden Nächte mal in der Kohte, mal in den Hütten. Die letzten zwei Tage durften die Überlebenden als fürchterliche Belohnung im geheizten Haus nächtigen. Ein Hajk am dritten Tag führte auf vier verschiedenen Routen zum Pferdestall des Callenberges. Schnee und Regen, Donnergrollen und Blitze begleiteten die vier Sippen: Sauron, Feuerreiter, Schwarze Witwen und die giftigen Schlangen, den Cobras., auf ihrer Strecke. Natürlich gab es hier und da kleinere Aufgaben, und man gab sich auch am Schluss sogar die Mühe, singend vor Ort zu erscheinen. Auch wenn das Liedlein erst zwei Minuten vor dem eigentlichen Eintreffen einsetzte, war die gute Stimmung trotz der allgegenwärtig vorherrschenden Feuchte und Kälte echt.

 
 

Die Vertreterinnen der Mehrheit der Weltbevölkerung (52 % weltweit) durften im wärmeren Stall übernachten , hingegen die Minderheit der beiden Jungensippen im Freien unter der schiefen Konstruktion des Holzpavillons ihr kühles Lager zu „sich nahmen“. Letzterer war vor ca 150 Jahren sicherlich sehr modern, und sein etwas in die Jahre gekommener schiefer Zustand wurde himmelwärts durch ein undichtes Dach abgeschlossen. Kleine feuchte Stellen waren Zeichen nachlassender Restfrische. Gelobt sei, was uns nicht umbringt und die Rentenanwartschaft nährt (fromme Wünsche sind zum Aussprechen da). Durch vergessliche Zeitgenossen wurden im Verlauf der Jahrzehnte drei volle Großtüten von Schlafsäcken gesammelt, die nun an leidende Sommerschlafsackaspiranten verteilt wurden.

 
 

Die Idee, sich mit einer Kohtenbahn zusätzlich gegen den Wind zu schützen , war auch nicht mehr der Renner des Restages. Gab das angefeuchtete Stück doch von Stunde zu Stunde immer etwas mehr Restfeuchte an den bis dahin noch trockenen Schlafsack ab. Eine sich vergrößernde Wasserlache an meinem Fußende tat ihr übriges. Da der gemeinsame Abend zuvor mit Liedern, einigen Spielen und einer meiner gefürchteten Gruselgeschichten „verendete“, gab es genug Stoff zum nachträumen.

 
 

Nun ist es nicht jedermanns Sache, sich in den REMphasen mit frisch amputierten Beinen zu beschäftigen, aber das Einschlafen erwies sich dann doch als sehr schwierige Übung. Es war weit nach Mitternacht, bis dann auch jene zur Ruhe kamen, die ihre Tageserlebnisse noch lautstark verarbeiten wollten. Waren es nun meine milden Drohungen oder Vater Morpheus..... interessiert den geneigten Leser nicht mehr wirklich. Irgendwann umfing den noch nicht Eingeschlafenen eine fast brüllende Stille. Nur das Tropfen durch das Undichte, vermischt mit den Lauten des umgebenden Forstes, und die frische kalte Luft eines neuen Vorvorfrühlingstages gaben einem dann den Rest. er sich am frühen Morgen durch den Lärm der Nachfolger der Flugsaurier gestört fühlte, war selber Schuld.

 
 
Nimmt man sich die Zeit der Rückschau, so waren es angefüllte Tage, ohne Langweile. Ich lernte Bewegungslieder kennen, die alle vom Hocker rissen (bis dahin hatte ich ein gepflegtes Vorurteil gegen derartige Szenarien) lernte neue Kochmethoden auf Fahrt kennen (Raviolibüchsen kann man auch mit Beilen öffnen und kalt im eigenen Saft auf Schubkarren servieren), und bin jetzt noch dabei, einen Teil meiner gemachten Erlebnisse zu verarbeiten. Bei älteren Menschen dauert es manchmal länger.  
 

Für alle, die nicht dabei sein konnten, möchte ich die entscheidende Frage für das Wort zum Nachsamstag geben:

„Gibt es ein Leben nach den Pfadfindern... ?“

 
 

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Keine Tortilias in der Bergstraße...oder mit Montezumas Erben unterwegs... nach oben
                  

Nicht alles kam einem  spanisch vor, Guardo konnte Englisch und damit war ein weiteres Element der Verständigung gefunden neben Händen und Füssen. Nicht jeden Tag bekommt man von mexikanischen Pfadfindern Besuch und so wurden wir von Tag zu Tag neugieriger, auf jenen Eingeborenen jenseits des großen Wassers. Drei Tage weilte er vor Ort und nächtigte im Raum des Wildschweins auf dem Reservat / ASP. Von Tag zu Tag wechselte der ureinwohnende Bärenführer und am Dienstag war ich an der Reihe. 

 
 

An touristischen Höhepunkten gab es den ehemaligen Reichsschatztresor ( Juliusturm mit anhängender Zitadelle ), wo die letzten Wilhelms ihre welschen Goldmünzen aufbewahrten ( die 1918 wiederum nach Frankreich zurückkehrten ), Schneereste mit Spandauer Altstadt , den ältesten Pfadfinderladen Deutschlands und ein kostenloser Rundumblick auf die Berliner Dörfersammlung vom Steglitzer Kreisel herab.

Zwischendurch bekämpften wir den kleinen Hunger in einem der Gebäude ,wo die Botschaften des guten amerikanischen Geschmacks zu Hause sind. Obwohl diese Geschmackverderber überall für kleines Geld ernährungstechnisch. zweifelhafte Zwischenmahlzeiten zuhauf anbieten, war Guardo noch nicht in einem solchen Gourmettempel. Nun seiner Unerfahrenheit machte ich ein jähes Ende und im nachherrein tut es mir fürchterlich und auch noch Leid, dass sich seinem bis dahin untadeligen Sinn für sinnvolle Ernährung ein jähes Ende bereitet habe.

 
 

Am Abend nun war die Begegnung der dritten Art. Wölflinge und Pfadfinder vom Kontinent hinterließen prägende Eindrücke westeuropäischer Pfadfinderei. Durch das Internet machten wir uns einen Tag vorher über Mexiko schlauer und Daniel bekam die Unterlagen zur Zweitsichtung mit nach Hause und war dann an diesem denkwürdigen Abend unser „Mexikoexperte“. Nun alle Erkenntnisse jener Stunden hier an dieser Stelle zu verbreiten würden den gesetzten Rahmen sprengen, jedoch einige Einzelheiten will ich doch der geplagten Nachwelt überliefern.

Am Anfang steht immer die Frage im Raum, ist es nun ein Teil von Nordamerika, oder von Mittelamerika, dass mexikanische Ländchen. Nach neuesten geografischen und wirtschaftspolitischen „ Erkenntnissen“, muss es dem Nordteil zugerechnet werden. Kommt auch in etwa hin, wenn man bedenkt, dass fast der ganze Süden der Vereinigten Staaten früher zu Mexiko gehörte.

Damit wären wir auch schon bei einem weiteren tragischen Teil der Alltagsprobleme in der Grenzregion zwischen den USA und Mexiko. Guardo erzählte uns, das es noch heute so eine Art von“ killing fields“ dort gäbe. Im Schutz der Dunkelheit versuchen des Nachts viele illegale Einwanderer den vier Meter hohen Zaun zu überklettern bzw. sich hindurch zu graben.

Die Farmer auf der anderen Seite schießen auf alle und alles, die des nächtens ihre Felder passieren. Männer, Frauen und Kinder kommen so jeden Tag auf tragische Weise ums Leben. Ob sie nun dahin zurück wollen, weil ihre Vorfahren dort vor über hundert Jahren schon einmal gelebt haben, trifft die Sache nicht ganz. Dies ist sicherlich nicht das Hauptmotiv, sondern die Überwindung des wirtschaftlichen Gefälles und der damit erhoffte soziale Aufstieg, ist der Motor ihres Handelns. Nach letzten Informationen sollen in Zukunft die illegalen Einwanderer aus dem Süden, in den USA legalisiert werden.

 
 

Natürlich wurde unser Gast auch gefragt woher er kommen würde. Er verriet uns, dass er aus einer kleineren Stadt mit rund 3,5 Mio. Einwohnern, 200 Meilen entfernt von Mexiko-City ( rund 19,5 Mio. Seelen ) stammt. Ich ahnte es immer. Berlin ist ein kleines Nest.

Die Stadt sei in zwei Hälften geteilt , dass kam uns irgendwie auch bekannt vor, in einen armen und einem reichen Teil.

 
 

 

Er komme allerdings aus der ärmeren Ecke und seine Pfadfindergruppe wäre dort auch zu Hause. Es ist für uns schwer vorstellbar, dass einige Pfadis dort nicht einmal das Geld haben, um sich ein Pfadfinderhemd zu kaufen. Guardo selbst ist Ingenieur und arbeitet in der Elektrizitätsbranche.

Ein Großteil seines Einkommens fließt in seine Gruppen. Mit einigen Liedern ging dann dieser Abend zu Ende und wir stellten fest, dass er sehr gut Gitarre spielen konnte. Das war die Gelegenheit für mich, meine spanische Lieder an fachkundig geneigte Ohren zu bringen und oh Wunder, bei dem Liedlein „Fiesta de larga“...konnte er sogar mitsingen.

 
 

Wir unterhielten uns in Englisch und meine Simultanübersetzung für alle Anwesenden mit einer Note unter vier, war an sich schon ein Erlebnis. Endlich hörte mir mal jemand zu....

Schrat

 

Der Nikolaustag und das Lagerfeuer:

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Es war einer der Tage von Zeitgenossen mit sonnenempfindlicher Haut, die sich ohne große Probleme vor die Tür wagen durften. Sonnenbrand drohte nicht und die Leichtgewandeten waren auch weniger von Erfrierungen als von Erkältungen bedroht. Einige wärmende Kleidungsstücke waren Jahreszeitlich bedingt nicht verkehrt und angebracht. Vor dem eigentlichen Stiefeltag lag der Freitag der fünfte Dezember und von der außerhäusigen Übernachtung machten auch über zwanzig Kinder und Jugendliche Gebrauch. Pfadinder und Gäste, Eltern, neugierige Passanten umlagerten auf herbeigeschafften Stühlen ein Feuer welches sich tapfer durch eine mächtige Wurzel kämpfte, die die Sommerrodungsarbeiten auf dem ASP überlebt hatte. Zum Wegbringen zu schwer und zu sperrig, zum liegen lassen zu unschön, zum ignorieren zu groß, nährte nun das erwärmende Wurzelholz die angekühlten Umsitzenden. Die kulinarischen Hochlichter ( highlights ) waren mit der Verabreichung von Tschai und selbstgedrehtem Stockbrot absolviert.

Als gästetechnischer Höhepunkt des vollen Schuhabends war dann der angedrohte Besuch zweier alter Pfadfinder, die es zusammen locker auf über 120 Lenze gebracht hatten, zu sehen. Der Berliner war ein pensionierter Lehrer einer Steglitzer Schule, der es geschafft hatte, bei einigen anwesenden „Opfern“ in angenehmer Erinnerung zu bleiben. Sein mitgebrachter Pfadfinderfreund kam aus Norwegen und beide kannten sich seit über einem halben Jahrhundert. Natürlich kannte mich unser norwegischer Pfadfinder und gab mir einen Halstuchknoten zurück, den er seit Jamborettetagen (Weiland 1987) irrtümlich hatte und übergab in mir feierlich vor allen Zeugen ( an so etwas soll man ja bekanntlich nicht sparen ) an jenem Abend. Natürlich hatte ich ihn noch nicht vermisst, umso mehr freute mich seine ehrlich Reue und Aufrichtigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Verlaufe des Abends zwischen der sich schnell verstimmenden Gitarre und dem Anlass angemessener Lieder ( bei meiner Seel` Weihnachtslieder ließen wir selbstverfreilich aus ), erfuhren wir im Schein des Feuers und einer netten Unterhaltung, dass unser Exlehrkörper in der dritten Generation Pfadfinder war. Sein Großvater gründete in Steglitz um 1911 die erste Pfadfindergruppe in Deutschland und auch sein Vater folgte dem selben Pfad.Beide Generationen hinterließen eine Unmenge an Material aus der Zeit und die erste historische Fahne aus jenen Tagen überlebte die 1000 Jahre im norwegischen Exil. Es war ein sehr interessanter und lehrreicher Abend. Da wir schon seit Jahren geeignete Räume für ein Pfadfindermuseum suchen, war ich über die angedrohten Exponate alles andere als unglücklich. Manchmal verschenkt der Nikolaus nicht immer nur Zuckerwerk an brave Erdenbürger.

Schrat

 
   
Nachlese zum Kartoffelfest am 15. November 03: nach oben
Helloween wollten wir diesmal nicht feiern. Das taten schon die Anderen. Wir besannen uns auf die Bräuche des Landvolkes und nahmen einen verspäteten Erntedank vor und feierten ein „Erdäpfelfest“. Auch wenn das Anzünden von Kartoffelpflanzenresten in Berlin seit 1991 verboten ist (  in der Stadt laufen die oberirdischen Teil des Nachtschattengewächses unter der Rubrik  „Gartenabfälle“ auf ) fanden wir ein Programm rund um die Sättigungsbeilage für passend und auch ein kleines Lagerfeuer  zum aufwärmen war für den Monat November nicht ganz unpassend.  Zweimal pro Woche dürfen wir auf dieses „Brauchtumsfeuer“ zurückgreifen und an diesem Sonnabend war es dann wieder soweit. Dank unterlassener Ferngespräche mit der Polizei war selbige auch nicht informiert worden und so verlief das Fest bei milden Temperaturen, guter Resonanz von Kindern mit anhängenden Erwachsenen , aktiver Teilnahme von zwei Stämmen ( Baldur und Graureiher) zu einer gelungenen Veranstaltung.  
 
Am Eingang gab es eine Laufkarte, die vielen Stationen drinnen und draußen verzeichnet hatte und man konnte von Stand zu Stand sich durchessen bzw. etwas für seine Linienerhaltung tun. Es war vielleicht das erste Erlebnis dieser Art, eine unschuldige, vorher mit eigner Hand geschälte Kartoffel, durch die Reibe zu schicken um sodann mit dem triefenden Rest unter fachkundiger Anleitung  von gestandenen freiwilligen Müttern und Hausfrauen einen Puffer daraus zu basteln. Da dieser Posten sehr zeitintensiv war, fingen die ersten Freiwilligen schon eine Stunde vor der eigentlichen Öffnung an. Die gebratenen Kartoffelrestscheiben erfreuten sich einer regen Nachfrage und zum Schluss musste man noch echten von unechten unterscheiden , d. h. aus fertigen Breimischungen stellte man ebenfalls „ Fabrikpuffer“ her und am Ende kam der Geschmackstest.  Natürlich machten die Handgearbeiteten das Rennen.  
   
Kartoffelschälen will gelernt sein und das Sackhüpfen kommt immer mehr aus der Mode. Das liegt zum einen daran das es soweit von Computerspielen entfernt ist, wie die Einwohner aus dem Umfeld des Andromedanebels zur Erde weit weg wohnen und zum anderen das es immer wenige Kartoffelhändler an der nächsten Ecke gibt, wo man sich mit diesen großen Kartoffeltüten aus Naturfasern eindecken kann.  
 
Nun das Hüpfen in den etwas zu groß geratenen Nikolaussocken machte ebenso allen Beteiligten Spaß wie der Kartoffeldruck, einer Gutenberg Variante mit beweglichen Kartoffellettern. Das ein Teil der Plakafarben eingetrocknet war, verringerte etwas die Farbenvielfalt im Gestalten . Auch gab es eine Eierlaufabart mit Kartoffeln die von A nach B transportiert werden mussten. Obwohl wir alles Programm rund um die Kartoffel gruppiert hatten, blieben Chips und Frites , aus ernährungsvorbildlichen Gründen, draußen vor der Tür.  
Ungeahnte Probleme gab es bei dem Einkauf von vorgefertigten Kartoffelpuffern. Offensichtlich hatten wir es dabei um einen Saisonartikel zu tun. In vielen bekannten preiswerten Läden der Umgebung gab es justament keine Vorgefertigten zu kaufen.  
   
Neben gekaufter Kartoffelsuppe aus der Dose, gab es natürlich zum Vergleich auch die Hausgemachte zum verköstigen. Letztere war dann natürlich auch zuerst alle. In Jahrzehnten hat sich unser Tschaigetränk bewährt. Eine ausreichende Menge an ungewöhnlichen Ingredienzien wie Frisch –und Trockenobst, Gewürzen, Nüssen,  u.a. die dann mit einem vorbereiteten Gebräu von  gesüßtem schwarzem Tee und rotem Traubensaft vermengt werden. Der Trank erfreute sich wachsender Nachfrage, bis zum Schluss ein im Geschmack verirrtes Kind, den Rest seiner kurz vorher erhaltenen Kartoffelsuppeneinheit ( es handelte sich dabei um ein Teil einer vorgefertigten Supermarktsuppe ) im Tschaipott entsorgte.  
Als dann der Abend am Lagerfeuer mit Liedern ausklingen sollte, war es mit der Schönwetterperiode vorbei. Pünktlich um 18.00 Uhr trieb ein jahresbedingter Regen alle restlichen Gäste und Gastgeber in die festen Räumlichkeiten.  
 
Jetzt mit einigen notwendigen Abstand kann man sagen, dass es den „betroffenen Kindern“ sehr viel Spaß  und Freude gemacht hat, Lernerfolge nicht zu kurz kamen  und die Idee ein Fest rund um die „Zitrone“ des Nordens zu veranstalten, sich als sehr glücklich erwies. Wer weiß schon, dass die Kartoffel mehr Vitamin C enthält als eine schnöde Zitrone. Damit ist sie schon als Aufhänger eines möglichen Frühlingsfestes vorzeitig erledigt.  
Reinald Hapke
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